JONGLIEREN

 JONGLIEREN


Jonglieren ist als Bewegungskunst Teil der Artistik und gehört traditionell zu den Darbietungen des Zirkus beziehungsweise des Varietés. Jonglieren kann sowohl als Freizeitaktivität betrieben werden, sowie auch als Form der darstellenden Kunst oder als sportliche Aktivität.


Jonglieren bezeichnet in erster Linie die Fertigkeit, mehrere Gegenstände wiederholt in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen, so dass sich zu jedem Zeitpunkt mindestens einer der Gegenstände in der Luft befindet. Die gebräuchlichsten Requisiten zum Jonglieren sind Bälle, Keulen und Ringe.


Im weiteren Sinne umfasst der Begriff Jonglieren auch Zirkusdisziplinen wie Diabolo, Devilstick und die Kontaktjonglage, bei der Gegenstände auf dem Körper balanciert und bewegt werden, sowie das Spinning, bei dem Gegenstände fest um ein Zentrum kreisen, wie etwa beim Poi Spinning oder Stabdrehen (siehe hierzu Objektmanipulation).


Es finden regelmäßig Jonglierconventions in verschiedenen Städten statt.

Etymologie

Das Substantiv Jongleur wurde im 18. Jahrhundert aus dem Französischen ins Deutsche übernommen. Dagegen tritt das Verb jonglieren erst im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert auf.[1] Französisch jongleur stammt von dem lateinischen Wort ioculator ab, das „Spaßmacher“ bedeutet. Zugrunde liegt lateinisch iocus („Spaß“), aus dem im Deutschen das Wort Jux entstand.[2]


Geschichte

Mittelalter


Jongleur mit Bällen und Messern

Im Mittelalter scheinen die Jongleure in Ungnade gefallen zu sein, da viele Kleriker und Pfarrer, welche die Geschichtsschreibung übernahmen, ihnen eine lose Moral und manchmal sogar Hexerei unterstellten. Seit Beginn des 6. Jahrhunderts traten Barden oder Hofnarren auf Märkten, Festen oder in Gasthäusern auf und führten kurze, unterhaltsame und schlüpfrige Auftritte auf. Sie reicherten ihre Shows häufig mit kurzen Jongliertricks oder etwas Akrobatik an und reichten am Ende ihrer Vorstellungen Hüte oder Taschen für Spenden herum.


Jongleure waren zu dieser Zeit sehr schlecht angesehen, und sie wurden auch nicht ganz ohne Grund mit Vorsicht und Argwohn behandelt, da sich auch viele Landstreicher, Trickbetrüger und Diebe in der Jonglierkunst übten. Eine weitere Schwierigkeit war, dass die Jongleure, anders als die Poeten und Musiker, keine Möglichkeit besaßen ihre Erfolge und Errungenschaften der Nachwelt zu hinterlassen. Schnell wurden sie daher als, wenn auch unterhaltsame, Tagediebe oder Taugenichtse abgestempelt. Aus dieser Zeit stammt daher auch der Ausspruch:


„Qual mestiers es plus aontos, d’eser joglar o laire?“ – frei übersetzt: „Was kann eine schlimmere Beschimpfung sein, ein Jongleur oder ein Dieb zu sein?“

Eine andere Vermutung ist, dass Jongleure erst im 11. Jahrhundert aus den englischen Minnesängern und Spielleuten hervorgegangen sind. Mit dem Aufkommen der Troubadoure wurden die Jongleure mit ihren vielen Talenten zu beliebten Helfern der Troubadoure und zu Unterhaltern der Adeligen. Sie zogen über das Land, von Hof zu Hof und verfeinerten ihr Können in „Schulen“ und „Bruderschaften“. Die erste Nennung einer solchen Bruderschaft stammt aus dem Jahre 1331; die „Confrerie de St. Julian“ in Paris.


Industrialisierung

Im Jahre 1768 eröffnete Philip Astley den ersten modernen Zirkus. Einige Jahre später heuerte er auch einige Jongleure an. Von da an fanden Jongleure professionelle Arbeit beim Zirkus. Die neuere Geschichte des Jonglierens ist eng mit der Geschichte des Varietés und des Couplets verbunden. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung wurde die Kleinkunst und mit ihr das Jonglieren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts immer beliebter. Jongleure wurden zunächst engagiert, um in den Pausen das Publikum vor verschlossenen Vorhang zu unterhalten, während hinter dem Vorhang die Bühne umgebaut wurde. 


Diese Jongleure konnten sich nun auf die eigentliche Jonglierkunst spezialisieren und vernachlässigten andere Kunststücke wie Schwertschlucken oder die Zauberei. Der Gentleman-Jonglier-Stil wurde von den deutschen Jongleuren Salerno und Kara erfunden, und mit der Entwicklung des Kunststoffes verwendeten die Jongleure auch zunehmend Gummibälle. Zuvor wurden Jonglierbälle aus Garn, gefüllten Lederbeuteln, Holz oder Metall gemacht. Die Gummibälle hatten den Vorteil, dass man sie auch springen lassen konnte. Mit der weiten Verbreitung der drei großen Unterhaltungsmedien, Radio, Tonfilm und Fernsehen, verlor die Kleinkunst dann wieder drastisch an Bedeutung.


Mehr-Personen-Jonglage

Passing

Eine Variation der Solo-Jonglage ist das Passen, bei dem zwei oder mehr Jongleure gleichzeitig jonglieren und sich dabei auch gegenseitig zuwerfen. Größtenteils wird mit Keulen gepasst. Mit drei und mehr Jongleuren können auch Positionsänderungen und komplizierte Laufwege Teil der Muster sein.


Kompetitives Jonglieren und Jonglierspiele

Sportjonglage

Im Bereich der Sportjonglage liegt der Schwerpunkt auf technischem Können, Präzision der Ausführung und Komplexität der jonglierten Muster. Bühnenwirksamkeit und künstlerischer Ausdruck spielen dabei keine Rolle. Die im Jahr 2003 gegründete World Juggling Federation veranstaltet jährlich Sportjonglage-Wettbewerbe.


Endurance

Alle Wettbewerber beginnen gleichzeitig, zu jonglieren und es gewinnt, wer am längsten jongliert.


Joggling

Die Kombination aus Joggen und Jonglieren heißt Joggling. Beim Joggling kann man ebenso wie beim Jonglieren eine beliebige Zahl von Bällen (mindestens drei) oder Keulen verwenden.


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